Zoff um Traditionskorps: Bütt-Star plädiert für DIESE neue Lösung

Köln | Er liefert stets neue Denkanstöße, schaut über den jeden Tellerrand hinaus. Jörg Runge gehört seit langem zu den Top-Acts im kölschen Fasteleer und gibt sich nicht nur auf der Bühne als meinungsstarker Geselle. In die aktuelle Debatte um die Traditionskorps, die in der Lachenden Kölnarena nur noch zwecks Aufzug am Start sein dürfen, worüber der Express zuerst berichtet hatte, hat der "Tuppes vom Land" nun seine Ansicht mitgeteilt. "Was machen wir eigentlich mit unserem Karneval?", fragt er in einem ausführlichen Posting in den sozialen Netzwerken. Und erörtert anschließend: "Sicherlich habt ihr auch die Diskussion darüber mitbekommen, dass die Traditionskorps bei der Lachenden Kölnarena ab 2028 zwar noch gemeinsam mit dem Dreigestirn aufziehen, aber keinen eigenen Auftritt mehr absolvieren sollen. Man möchte dadurch zehn Minuten einsparen, um Nachwuchskünstlern (vermutlich die 50te neue Band) eine Bühne bieten zu können. Gleichzeitig wird versichert, dass sich an der Honorierung der Korps nichts ändert. Sie erhalten also weiterhin die gleiche Gage, sollen aber keinen eigenen Auftritt mehr haben. Es geht demnach nicht ums Geld, sondern tatsächlich um zehn Minuten. Ich finde es erschreckend, dass unser Fastelovend inzwischen derart auf Effizienz getrimmt wird." Denn, so Runge weiter: "Natürlich ist es wichtig, Nachwuchskünstlern eine Bühne zu geben. Darüber müssen wir überhaupt nicht diskutieren. Aber warum muss man dafür Tradition und Nachwuchs gegeneinander ausspielen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die meisten Besucherinnen und Besucher ein Problem damit hätten, wenn die Veranstaltung zehn Minuten länger dauern würde. Manche stehen dort wahrscheinlich länger an den Toiletten an. Eine Veranstaltung, die über viele Stunden läuft, müsste zehn Minuten für einen wesentlichen Bestandteil des Kölner Karnevals eigentlich noch verkraften können. Für mich passt das zu einem Trend, den ich schon länger beobachte. Viele Sitzungen werden zunehmend kürzer, weil nach und nach Programmpunkte gestrichen werden. Die Eintrittskarten sind dadurch aber nicht billiger geworden. Stattdessen versucht man, immer mehr Musik, Party und Stimmung in ein immer kürzeres Zeitfenster zu pressen. Das kann man natürlich machen. Aber irgendwann sollte man sich dann auch fragen, ob man noch eine Karnevalssitzung veranstaltet oder lediglich eine große Party mit ein paar jecken Dekorationselementen." Tuppes hat einen Vorschlag! "Und ich möchte noch einen Gedanken hineinwerfen, der mir als Redner natürlich besonders am Herzen liegt. Warum schafft es ein so großes, erfolgreiches und etabliertes Format nicht, an einem der vielen Abende einmal eine reine Rednerveranstaltung anzubieten? Eine wirklich lachende Kölnarena", führt er aus, "Comedy-Mixshows beweisen seit Jahren, dass sich große Hallen auch auf diese Weise füllen lassen. Warum sollte das nicht auch mit den besten Rednerinnen und Rednern des Karnevals funktionieren? Ich bin überzeugt davon, dass es dafür ein Publikum gäbe: all die Menschen, die den Karneval lieben, aber vom Dauer-Partybeschallungs-Karneval inzwischen nur noch genervt sind. Es muss ja nicht jeder Abend so aussehen. Aber warum wagt man es nicht wenigstens mal? Wenn Effizienz tatsächlich das entscheidende Kriterium ist, dann sollte man es doch gleich richtig machen. Als Nächstes verzichtet man auf das Dreigestirn, weil der Aufzug zu viel Zeit kostet und vermutlich auch ein bisschen zu viel Tradition enthält. Danach könnte man sich dann auch die Auftritte der Livebands sparen, denn das Auf- und Abbauen der Instrumente dauert schließlich ebenfalls. Stattdessen spielt man einfach eine Playlist ab. Das ist hocheffizient, es gibt keine Umbaupausen mehr, und man kann noch mehr Musik in noch weniger Zeit hineinpressen. Und irgendwann kommt wahrscheinlich noch jemand auf die Idee, ein riesiges Kölschfass in die Mitte der Arena zu stellen, um das herum dann alle ein paar Stunden lang tanzen. Kein Redner, kein Tanzkorps, kein Brauchtum und bloß keine Unterbrechung. Das wäre dann allerdings keine Lachende Kölnarena mehr, sondern Spotify mit Selbstverpflegung. Fastelovend lebt aus meiner Sicht von seiner Vielfalt: von Bands und Rednern, von Tanzgruppen und Traditionskorps, vom Dreigestirn und selbstverständlich auch vom Nachwuchs. Es kann doch nicht die Lösung sein, einen Teil davon aus dem Programm zu streichen, um für einen anderen Platz zu schaffen. Natürlich braucht Nachwuchs eine Bühne, der vermeintliche Rest aber auch. Tradition darf dabei nicht zur reinen Kulisse werden. Und Redner sollten auch nicht nur als störende Unterbrechung zwischen zwei Bands betrachtet werden. „Morje es, wat do drus mähs!“, lautet das Sessionsmotto 2027. Frei nach diesem Motto frage ich mich deshalb: Was machen wir eigentlich mit unserem Karneval? Denn bei dieser Diskussion geht es für mich nicht nur um zehn Minuten, sondern um die Richtung, in die wir uns bewegen. Zukunft entsteht nicht, indem wir unsere Herkunft und Basis aus dem Programm streichen." Ob seine Rede Gehör findet?