„Warten auf Antwort“: Kunstbeirat nach Rücktritt perplex

Köln | Es war ein Paukenschlag in der Kölner Kunstszene.

Der vom Rat bestellte Kunstbeirat erklärte unter der Woche geschlossen seinen Rücktritt.

Auch zwei Tage danach gibt es auf das erklärende Statement des Gremiums von Seiten der Stadt keine offizielle Reaktion. „Wir warten darauf“, so die stimmberechtigten Mitglieder. Das passe zum schwachen Bild, das bestätige: Weder das Gremium noch Kunst im öffentlichen Raum habe die Verantwortlichen interessiert.

An dieser Stelle das Dokument des Rücktritts im Wortlaut:

Stellungnahme der stimmberechtigten Mitglieder des Kunstbeirates der Stadt Köln zur gemeinsamen Beendigung der ehrenamtlichen Tätigkeit in diesem Gremium

Die stimmberechtigten Mitglieder des Kunstbeirates sind vom Rat der Stadt Köln als ausgewiesene Fachleute berufen und beraten als ständiges Gutachter-Gremium den Rat und seine Ausschüsse sowie die Bezirksvertretungen in allen Fragen von Kunst im öffentlichen Raum. Der Kunstbeirat ist keine selbstgeschaffene Interessenvertretung der Kunstszene, wie in Politik und Verwaltung mitunter angenommen wird. Die diesem Gremium vom Stadtrat selbst zugewiesene Funktion zu beraten und ggf. Empfehlungen zu anstehenden Entscheidungen auszusprechen, wurde in den letzten zehn Jahren nur teilweise oder gar nicht genutzt und in den jeweiligen Beschlüssen oftmals ignoriert. In vielen Fällen wurde der Kunstbeirat – entgegen der bestehenden Geschäftsordnung – weder befragt noch gehört. Seine (oft ungefragt verfassten) Stellungnahmen zu unterschiedlichen Themen blieben immer wieder unbeachtet.

Die vielen aus eigener Initiative erarbeiteten Vorschläge und Projekte wurden ebenfalls kaum wahrgenommen und trotz zahlreicher Gesprächsangebote der Kunstbeiratsmitglieder nur vereinzelt im Kulturausschuss und in der Verwaltung aufgegriffen und diskutiert.

Vor allem aber hat der Kunstbeirat in der Vergangenheit vielfach darauf hingewiesen, dass seine jetzige Verfasstheit den komplexen und umfangreichen Aufgabenstellungen für den Bereich der Kunst im öffentlichen Raum in keiner Weise entspricht. Zu den erforderlichen Veränderungen hat der Kunstbeirat bereits vor geraumer Zeit dezidiert Vorschläge gemacht, die bis heute folgenlos geblieben sind (siehe Punkt 1 in der folgenden Aufzählung).

Es gibt eine lange Liste von Beispielen für die Nichtbeachtung des Kunstbeirates und seiner ehrenamtlichen Arbeit. Dies sind die zentralen und gewichtigsten Fälle der letzten Jahre:

Im März 2024 ging das folgende Schreiben des Kunstbeirates an die kulturpolitischen Sprecher*innen der Fraktionen im Stadtrat:

Am 29. Februar 2024 hat der Kunstbeirat getagt. Zu dieser Sitzung hatten wir aus besonderem Anlass neben den ständigen Gremiumsmitgliedern auch die kulturpolitischen Sprecher*innen der Ratsfraktionen eingeladen. Einziger Tagesordnungspunkt war die aktuelle Situation und die Zukunft des Kunstbeirats. Aufgrund unserer nunmehr jahrelangen Tätigkeit sehen wir dringenden Handlungs- und Veränderungsbedarf nicht nur bezüglich unseres Gremiums, sondern für die Kunst im öffentlichen Raum ganz allgemein.

Den Diskussionsverlauf der Sitzung haben wir als sehr konstruktiv wahrgenommen, und die positiven Rückmeldungen – auch aus Ihrer Fraktion – ermutigen uns, die in der Sitzung angedachten weiteren Schritte gemeinsam mit den politischen Kräften dieser Stadt zu gehen. Wir haben uns in der Sitzung darauf verständigt, mit mindestens zwei Anträgen das Gremium Kunstbeirat und die Kunst im öffentlichen Raum für Köln voranzubringen: Zum einen soll das Projekt „Urbane Interventionen Köln (UIK)“ wiederbelebt werden, und zum anderen soll auf Grundlage der Ausarbeitung „EG KiöR Köln“ von Stefanie Klingemann, die selbst einige Jahre Mitglied des Kunstbeirats war, die Verwaltung mit der Weiterentwicklung des Kunstbeirats zu einer neuen arbeits- und entscheidungsfähigen Struktur beauftragt werden. Zu Ihrer besseren Information senden wir die beiden betreffenden Konzepte anbei mit.

Wir wünschen uns daher zwei entsprechende fraktionsübergreifende Anträge, die mit einer regelmäßigen Unterrichtung des Ausschusses für Kunst und Kultur über den jeweiligen Fortschritt verbunden sein sollten. Werden dazu Finanzmittel benötigt, so könnten diese über freie Mittel der Kulturentwicklungsplanung bereitgestellt werden, da die Umwandlung des Kunstbeirats zu einer neuen organisatorischen und programmatischen Struktur wie auch das Projekt UIK ausdrücklich benannte Bestandteile der KEP 2019 sind.

Inzwischen wurde im Ausschuss für Kunst und Kultur unter dem Titel „Kunstbeirat stärken!“ die Führung eines Fachgesprächs als dringlich beantragt und beschlossen. Das begrüßen wir sehr und stehen darüber hinaus auch für weitere Gespräche und gemeinsame Beratungen gerne zur Verfügung.

Das im obigen Schreiben erbetene Fachgespräch fand schließlich am 8. Juli 2024 statt und ergab die Zusage der kulturpolitischen Sprecher*innen, eine Ausarbeitung der vorliegenden Studie „EG KiöR Köln“ zur Neustrukturierung der Kunst im öffentlichen Raum hin zu einer beschlussreifen und damit politisch entscheidbaren Fassung zu beauftragen. Seitdem hat der Kunstbeirat von den Fraktionen oder vom Kulturausschuss keine Rückmeldung mehr erhalten.

Da der Rat der Stadt Köln die ehrenamtliche Arbeit der stimmberechtigten Mitglieder im Kunstbeirat offenbar nicht in Anspruch nehmen möchte, haben wir in unserer Sitzung am 21. November 2024 beschlossen, unsere Tätigkeit in diesem Gremium zu beenden. Mit Dank für die gute Zusammenarbeit an Michael Lohaus und Hermann Koch im Kulturdezernat und mit großem Bedauern, dass unser Engagement für die Kunst in Köln anscheinend nicht erwünscht ist, legen wir unser Ehrenamt im Kunstbeirat der Stadt Köln nieder.

Köln, 25. November 2024

Prof. Tobias Becker Lutz FritschKay von KeitzProf. Gereon Krebber Prof. Oliver Kruse Birgit Laskowski

Ute PiroethDr. Anne Schloen

(die stimmberechtigten Mitglieder des Kunstbeirates der Stadt Köln)