"Jeder Euro hilft": Kölner Traditionsklub kämpft ums Überleben

Köln | "Wir sind Porz!" Doch wie lange noch? Der Traditionsklub Spvg Porz 1919 von der schäl Sick kämpft um seine Zukunft.

Pate Mario Ebel zieht sich bei Spvg Porz zurück

Die 1. Mannschaft um Trainer **Jonas Wendt** kickt in der Mittelrheinliga, tritt am Sonntag in Hürth an. Doch abseits des Platzes, hinter den Kulissen, ist es aktuell gelinde gesagt turbulent. Der Grund: Gleich drei Funktionsträger traten zurück! In einer gemeinsamen Erklärung formulieren **Mario Ebel, Sascha Höschler** und **Männi Hoffmann** ihre Beweggründe.

"Mit großem Bedauern geben wir gemeinsam bekannt, dass Männi Hoffmann sein Amt als Trainer der 2. Mannschaft und Sascha Höschler seine Funktion als sportlicher Leiter mit sofortiger Wirkung beenden werden. "Gleichzeitig beendet Mario Ebel als Pate und Sponsor der 2. Mannschaft sein finanzielles und persönliches Engagement bei der SpVg. Porz 1919 e.V. Diese Entscheidungen sind uns nicht leichtgefallen", heißt es. Und weiter: "Als damaliger 1. Vorsitzender der SpVg. Porz war es Mario Ebel ein wichtiges Anliegen, neben der 1. Mannschaft auch wieder eine starke, eigenständige und dauerhaft tragfähige 2. Mannschaft aufzubauen. Die Ausgangssituation war schwierig. Die bisherige 2. Mannschaft befand sich in erheblichen Auflösungserscheinungen, sodass innerhalb kurzer Zeit praktisch ein neuer sportlicher Unterbau geschaffen werden musste. Mit Männi Hoffmann und Sascha Höschler konnten zwei im Kölner Amateurfußball hervorragend vernetzte und anerkannte Persönlichkeiten für dieses Projekt gewonnen werden. Durch ihren guten Ruf, ihre Kontakte in Köln und dem gesamten Kölner Umland sowie ihren persönlichen Einsatz gelang es, zahlreiche neue Spieler für die SpVg. Porz zu begeistern und innerhalb kurzer Zeit wieder einen stabilen und konkurrenzfähigen Kader zusammenzustellen. „Ich bin Männi und Sascha für ihre Arbeit außerordentlich dankbar. Als wir dieses Projekt begonnen haben, standen wir praktisch vor einem sportlichen Neustart. Beide haben mit enormem Engagement, Fachwissen und ihren hervorragenden Kontakten dafür gesorgt, dass die SpVg. Porz wieder eine vernünftig aufgestellte 2. Mannschaft besitzt. Solche Persönlichkeiten sind für jeden Amateurverein eine Bereicherung.“

Neben der sportlichen Entwicklung sei gemeinsam großer Wert auf ein einheitliches und professionelles Auftreten der Mannschaften gelegt worden. Hierzu gehörten unter anderem neue Trainingsbekleidung sowie Heim- und Auswärtsausstattungen. Mario Ebel habe hierfür insgesamt 2.500 Euro für die Ausstattung der 1. und 2. Mannschaft zur Verfügung gestellt. Ziel sei gewesen: "Die Finanzierung der 2. Mannschaft sollte langfristig gesichert werden" Auch nach seinem Rücktritt als 1. Vorsitzender habe Mario Ebel gegenüber Männi Hoffmann und Sascha Höschler sein Wort gehalten und angeboten, die 2. Mannschaft weiterhin finanziell zu unterstützen, heißt es in der Erklärung ferner: "Hierzu bestand die Bereitschaft, monatlich 950 Euro für die Finanzierung der 2. Mannschaft zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus wurden weitere Unterstützer angesprochen. Unter anderem konnte Heribert Schamong für eine finanzielle Unterstützung der 2. Mannschaft gewonnen werden. Zusätzlich sollte über ein sogenanntes Patenprogramm ein Netzwerk weiterer Sponsoren und Unterstützer aufgebaut werden. Das gemeinsame Ziel war eindeutig: Die 2. Mannschaft sollte sich sportlich und finanziell auf einem stabilen Fundament entwickeln können, ohne den Gesamtverein zusätzlich finanziell zu belasten. Nach dem Wechsel an der Vereinsspitze war es für Männi Hoffmann und Sascha Höschler von entscheidender Bedeutung, eine klare und verlässliche Perspektive für die 2. Mannschaft zu erhalten. Dabei ging es insbesondere um die verbindliche Zusage, dass Spenden und Sponsorengelder, die ausdrücklich für die 2. Mannschaft eingeworben beziehungsweise zur Verfügung gestellt werden, auch der Finanzierung und Weiterentwicklung dieser Mannschaft zugutekommen. Aus diesen Mitteln sollte zugleich ein angemessenes finanzielles Polster für den laufenden Spielbetrieb aufgebaut und die weitere Zahlung der vorgesehenen Übungsleitervergütungen für die sportlich Verantwortlichen abgesichert werden. Nach unserer gemeinsamen Wahrnehmung konnte hierzu mit der neuen Vereinsspitze unter der 1. Vorsitzenden Sabine Berger keine für alle Seiten ausreichende und verbindliche Vereinbarung erzielt werden. Für Männi Hoffmann und Sascha Höschler entstand dadurch nicht die notwendige Planungssicherheit, um das gemeinsam begonnene Projekt unter den neuen Rahmenbedingungen verantwortlich fortzuführen. Aus ihrer Sicht fehlte insbesondere das klare Signal, dass der Aufbau und die nachhaltige Entwicklung der 2. Mannschaft innerhalb des Gesamtvereins den notwendigen Stellenwert erhalten. In den vergangenen Tagen wurden verschiedene Gespräche geführt, um eine tragfähige Lösung zu finden. Sowohl Mario Ebel als auch Sascha Höschler haben versucht, im direkten Austausch mit der neuen 1. Vorsitzenden einen Kompromiss zu erreichen und die Voraussetzungen für eine Fortsetzung des Projekts zu schaffen. Diese Gespräche hätten zu keiner Einigung geführt, weswegen auch Ebel seinen Hut nahm. Den umtriebigen Unternehmer, als "Dattel-Prinz" in der Lebensindustrie durch sein Netzwerk in Saudi-Arabien ("Mekka Dates") bekannt, zieht es mit Kind und Kegel demnächst ohnehin privat nach Kärnten/Österreich. Er dankt zum Abschied: "Diese Entscheidung richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Spieler der 2. Mannschaft, die Mitglieder, Fans oder die vielen ehrenamtlich engagierten Menschen innerhalb der SpVg. Porz. Im Gegenteil: Wir bedanken uns bei allen Spielern, Unterstützern, Sponsoren und Helfern, die in den vergangenen Monaten an den Neuaufbau der Mannschaft geglaubt und diesen unterstützt haben. Wir sind überzeugt, dass in der neu aufgebauten Mannschaft großes Potenzial steckt, und wünschen den Spielern für ihren weiteren sportlichen Weg alles Gute."

Die besagte erste Vorsitzende indes startete einen Spendenaufruf im Netz. Über GoFundMe kann man der Spvg Porz helfen. Laut **Sabine Berger** geht es dabei um die 1. Mannschaft und die Jugend, von der 2. ist nicht die Rede: "WIR SIND PORZ! Manchmal gibt es Momente, in denen man nicht lange überlegen darf, sondern einfach zusammenhalten muss. Ich bin Sabine Berger und wurde gerade zur 1. Vorsitzenden der Sportvereinigung Porz 1919 e.V. gewählt. Diese Aufgabe übernehme ich mit ganz viel Herzblut – denn die SpVg Porz ist nicht einfach nur ein Fußballverein. Sie ist Tradition. Sie ist Gemeinschaft. Sie ist Heimat. Seit 1919 gehören wir zu Porz. Generationen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen haben hier Sport gemacht, Freundschaften geschlossen, Siege gefeiert und Niederlagen gemeinsam getragen. Heute stehen wir vor einer großen Herausforderung. Damit unsere 1. Mannschaft weiterhin in der Mittelrheinliga spielen kann und wir gleichzeitig unseren gesamten Verein mit seiner starken Jugendabteilung erhalten können, brauchen wir eure Hilfe. Wir brauchen Menschen, die sagen: Ich bin dabei. Ich unterstütze euch. Ich glaube an euch. Ganz egal, ob groß oder klein – jeder Euro hilft. Lasst uns gemeinsam zeigen, was möglich ist, wenn ein Stadtteil zusammensteht."