"Im Herzen dabei": Schützen erinnern würdevoll an getöteten Yosef (†14)

Dormagen | Was für eine schöne, menschliche Geste! Der furchtbare, gewaltsame Messer-Tod des Dormagener Realschülers Yosef (†14) rührt auch sechseinhalb Monate danach noch die Menschen in Dormagen, sorgt für emotionale Diskussionen, z. T. am Rande mancher Gürtellinie. Wer dabei Recht hat oder nicht, wer aufrechnen mag, darf oder nicht - fühle sich frei.

Koeln0221 ist eben kein Yosef-Kanal und berichtet allein deshalb weiterhin, weil die Tat deutschlandweit Thema war, mit allen Konsequenzen. Und vor allem: wenn und weil der Junge in seinem Heimatort nicht vergessen wird und ist. Denn das konnte man am Samstag im Rahmen des Delhovener Jubiläums-Schützenfests (14.–18. August 2026) erneut erleben. Yosef war Mitglied im Tambourcorps des Delhovener Schützenvereins - und dieses setzte bei seinem Zug durch den kleinen Ort ein Zeichen, dass er während der Festtage zum 100. im Geiste mit ihnen läuft. Die Kameraden hielten seinen Platz in der Reihe bewusst frei.

Und an seinem Grab wurde liebevoll eine personalisierte Kerze platziert. Darauf ein Foto von ihm in Schützenkluft mit Mütze. Und: "Im Herzen dabei" steht auf einem der beiden Trommelstäbe, die außerdem auf dem Grab dazugelegt sind. Eine Bekannte der Familie ist total gerührt und informierte die Mutter Lily, die gerade noch zwecks Urlaub in Äthiopien ist und das so selbst nicht mitbekommen konnte. "Mir schossen gerade voll die Tränen in die Augen! Was für ein tolles stilles Zeichen, das er auch heute, während hier Schützenfest ist, nicht vergessen wird", sagt die Freundin. Eine weitere gute Freundin der Familie, für die das Platzieren der Devotionalien sicher eine schöne Überraschung gewesen ist, war eigens aus Essen angereist, um erstmals das Grab und den Tatort zu sehen.

Ob dort indes ein Gedenkstein platziert werden wird oder nicht (wir berichteten) - ein heimischer Unternehmer gab hierfür den Anstoß und würde das gern umsetzen - ist ebenso Teil einer emotionalen Debatte, die in den sozialen Netzwerken geführt wird. Denn wann fängt das Gedenken an und wo hört es auf? Gerecht kann man wohl niemandem werden.