Herr Bosbach, was bedeutet dieser AfD-Triumph für uns im Rheinland?
Man kann die AfD durch permanente Berichterstattungen über sie auch stärker machen, als sie ohnehin schon ist. Immer Mass und Mitte halten.
Berlin/Köln | Es war der von vielen erwartete Erdrutsch. In Sachsen-Anhalt ging die AfD am Sonntag als klarer Sieger bei der Landtagswahl hervor. Wie haben wir im Rheinland das zu bewerten? Aus aktuellem Anlass: Das Interview mit Innenexperte und CDU-Urgestein **Wolfgang Bosbach**. **WoBo, was bedeutet - platt gefragt - das Wahl-Ergebnis von Sachen Anhalt für uns im Westen ? ** Dass die politische Spaltung zwischen den neuen und den alten Bundesländern 36 Jahre nach der Wiedervereinigung leider größer statt kleiner wird. Dass Sachsen-Anhalt für Deutschland zwar nicht repräsentativ ist, dass die AfD aber eine relevante politische Kraft ist - und leider wohl auch bleiben wird- und dass wir uns hier ernsthafter fragen müssen:," Aus welchen Gründen, mit welchen Motiven machen Wähler dort ihr Kreuz?" Alle als Verpeilte, Wutbürger oder gar Nazis zu beschimpfen wird nicht helfen, sie in die politische Mitte zurückzuholen. **Alice Weidel erklärte, die CDU werde „keine Wahl mehr gewinnen.“ Kann sie damit Recht haben? ** Nein. Ich bin nach wie vor sehr zuversichtlich, dass wir zB schon die Wahl in NRW 2027 klar gewinnen werden. Dass es für uns- Stand heute- schwer werden wird bei der nächsten Bundestagswahl 2029 das Ergebnis vom letzten Mal zu wiederholen, ist klar. Aber für diese Erkenntnis brauche ich Frau Weidel wirklich nicht.
Wolfgang Bosbach schließt Comeback in der Funktion in der Politik aus
**Ist das einzige Hindernis, das die AfD noch mit Blick auf den Westen hat , (die Akzeptanz von) Björn Höcke ? ** Nein. Es gibt in der AfD unzählige Höckes, nicht nur einen. Wir sollten jetzt mal die Kirche im Dorf lassen. Schon bei der Bundestagswahl 2025 hatte die AfD in Sachsen-Anhalt alle Wahlkreise direkt gewonnen. Hier im Westen war- und ist- sie davon meilenweit entfernt. Man kann die AfD durch permanente Berichterstattungen über sie auch stärker machen, als sie ohnehin schon ist. Immer Maß und Mitte halten. **Juckt es dich bei diesen Fragen und solchem Ergebnis wieder Verantwortung anzustreben und wahrzunehmen? ** Nein, wirklich nicht. Ich absolviere pro Jahr etwa 200 Veranstaltungen und die sind wirklich gut besucht. Das politische Engagement ist ja nicht erloschen, ich habe nur kein Mandat mehr. Alles hat seine Zeit. Ich gehöre nicht zu denen, die sich für unverzichtbar halten. Davon gibt es ohnehin genug.