FC-Schatz aufgetaucht! Als "Flocke" das Camp Nou verzauberte
Köln | Man spricht gern nostalgisch bis heute vom Real Madrid des Westens. Erst Recht, wenn man mit Edelfan Martin Schlüter am Bodensee den Sundowner genießt. Der 1.FC Köln hat bis heute einen klangvollen Namen in der Fußballwelt. Nicht wegen Absteigern der letzten Jahre, sondern wegen der Helden der 60-er, 70-er und 80er. Und da landen wir beim großen Heinz Flohe.
"Keiner wusste es", so FC-Archivar **Frank Steffan** zu koeln0221, "Vor genau 60 Jahren begann Heinz Flohes Profikarriere mit einer Sensation in Barcelona! Heinz Flohe gilt heute als einer der größten Spieler des 1. FC Köln, für manche sogar als der Größte. Erst nach seinem tragischen Tod im Jahr 2013, entwickelte sich eine neue Betrachtung seines Könnens und seiner Leistungen. Ihm wurde ein Denkmal gesetzt, das heute vor der Südkurve des RheinEnergie-Stadions unübersehbar seht. Es würde nicht dort stehen, wenn es nicht den Film und das Buch „Heinz Flohe – Der mit dem Ball tanzte“ gegeben hätte. Frank Steffan, Regisseur des Films und Autor des Buches, schaffte es mit Film und Buch, dass Flohe heute als das gesehen wird, was er tatsächlich war: Ein Fußballgenie.
Doch auch er wusste nicht, wie fulminant Flohes Profikarriere beim 1. FC Köln tatsächlich begann: Mit einem echten Paukenschlag. Und das auf internationalem Parkett! Dem Kölner **Stefan Ammel,** einem ehemaligen Versicherungskaufmann, ist es zu verdanken, dass dieser Umstand nachträglich recherchiert wurde. Ammel, der Zeit seines Lebens FC- und vor allem Flohe-Fan war, fand heraus, dass Heinz Flohe am 31. August 1966 also vor genau 60 Jahren, sein erstes Spiel für den 1. FC Köln bestritt. Nicht in der Bundesliga, nicht im DFB-Pokal, sondern beim damals neu ins Leben gerufenen „Joan Gamper Pokals“ des FC Barcelona.
Flohe war zur Saison 1966/67 als 18jähriger neu in den mit Nationalspielern gespickten Kader des 1. FC Köln gekommen. Als damals feste Größe des europäischen Fußballs, wurde der FC zum Turnier nach Barcelona eingeladen. Die Bundesligasaison hatte da bereits begonnen. Zum Saisonauftakt besiegte man 1860 München zuhause mit 2:0, am zweiten Spieltag verlor man bei Eintracht Frankfurt mit 4:0 und fuhr gleich darauf nach Barcelona, um am besagten „Joan Gamper Pokal“ teilzunehmen. Flohe spielte vorher weder gegen München noch gegen Frankfurt. Seine große Stunde schlug dafür in der katalanischen Hauptstadt im Camp-Nou. Im Halbfinale spielte der FC gegen den französischen Meister FC Nantes und lag schon nach 20 Minuten mit 0:2 hoffnungslos zurück. Der WM-Held von 1966, Wolfgang Weber, verletzte sich in der 30. Minute am Kopf und für ihn betrat erstmals Heinz Flohe das Spielfeld für den 1. FC Köln.
Der 18-jährige Euskirchener legte eine schier unglaubliche Leistung auf den Rasen des Camp-Nou, der späteren Heimat des unvergleichlichen **Lionel Messi**, hin. Kurz vor der Pause erzielte Flohe mit einem satten Distanzschuss den Anschlusstreffer, in der 69. Minute verlud Flohe in seiner unnachahmlichen Weise zwei Gegenspielern, dann auch noch den Torwart und erzielte völlig abgebrüht das wichtige 2:2. Und in der folgenden Verlängerung hämmerte der Jungspund einen weiteren Distanzschuss in die Maschen. Drei entscheidende Treffer im ersten Spiel und dann auch noch bei einem großartig besetzten Turnier! Heute wäre das eine echte Sensation und der Beginn eines medialen Hypes, der sich gewaschen hätte. Damals bekam das kaum jemand mit, es gibt keine TV-Aufnahmen und auch keine Fotos von den großartigen Toren. Wohl aber gibt es Presseberichte. Dass sie gefunden wurden, ist der Eigeninitiative von Stefan Ammel zu verdanken. Er reiste 2025 deshalb eigens nach Barcelona, grub die Berichte aus und rekonstruierte die Ereignisse. Er informierte Frank Steffan und der zeigte sich beeindruckt: „Hätte ich das vorher gewusst, wäre das natürlich im Film und im Buch entsprechend gewürdigt worden.“ Denn: „Schon da zeigte sich die unglaubliche Klasse des Heinz Flohe in beeindruckender Weise.“ Flohe erzielte viele wunderbare Tore für den FC, öfters auch gleich zwei in einem Spiel, aber ein Dreierpack blieb die Ausnahme.
Bei seinem FC-Debüt schaffte er es und dann noch einmal: 1974 im Bundesligaspiel gegen Fortuna Köln am 30. März 1974 in der legendären Radrennbahn. Diese großartigen Tore kann man zumindest im besagten Flohe-Film noch mal bestaunen. Und Stefan Ammel kann sich auf die Fahnen schreiben, dass er einen wunderbaren Beitrag zur Dokumentation eines ganz großen deutschen Spielers geleistet hat.