EXKLUSIV Ein Nachruf auf Fritz Schramma (†78) - von Frank Überall
VON FRANK ÜBERALL Fritz Schramma war ein Kölscher, wie er im Buche steht. Seine rheinische Art war stets sympathisch, aber auch verbindlich. Auf sein Wort konnte man sich verlassen. Er hat die Stadt Köln zunächst als ehrenamtlicher Bürgermeister, später neun Jahre lang als Oberbürgermeister repräsentiert. Zuvor hatte er als Lehrer und Journalist gearbeitet. Ende der 1980er Jahre lernte ich ihn zunächst in der CDU kennen, in der wir uns beide engagierten. Nach ersten journalistischen Schritten bei einer Schülerzeitung machte er mir dann den Kontakt zum Wochenblatt „Kölner Wochenspiegel“, für das er auch freiberuflich als Reporter unterwegs war.
Wir gestalteten zudem gemeinsam eine Zeitung für den Kölner Kreisverband der Partei. Seine Lust am Formulieren von Texten und an gelungenen Fotos war ihm stets anzumerken. Wie bei allem, was er tat, war er mit Herzblut bei der Sache. Wir sollten uns in fast vier Jahrzehnten immer wieder in verschiedenen Rollen begegnen. Das war manchmal nicht einfach und stellte unsere Freundschaft zuweilen auf harte Proben. Trotzdem: Fritz Schramma ist immer Mensch geblieben. Er hatte eine schwierige Kindheit im Nachkriegs-Köln, ihm war nicht in die Wiege gelegt, ein Studium aufzunehmen und Karriere zu machen. Aber er hat sich durchgekämpft, hart gegen sich selbst, aber immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Schon früh engagierte er sich als Schülersprecher, auf Demonstrationen und letztlich in seiner Partei, der CDU. Deren Kölner Kreisverband hatte er viel zu verdanken, er hat ihm aber auch viele Bauchschmerzen beschert. So viele, dass er zunächst seinen Ehrenvorsitz abgab und dann nach gut 50 Jahren aus der Partei austrat. Fritz Schramma hat als ehrenamtlicher Bürgermeister wie kein Anderer Politik und das Kölsche Lebensgefühl zusammengebracht. Er war ein bürgernaher Repräsentant seiner Stadt und seiner Bevölkerung, allseits beliebt. Als er zum hauptamtlichen Oberbürgermeister gewählt worden war, war das für die Stadt und auch für ihn eine völlig neue Rolle. Nach einer Änderung der Gemeindeordnung hatte das Stadtoberhaupt plötzlich nicht mehr nur zu repräsentieren, sondern auch die große Stadtverwaltung zu führen. In dieser Zeit hat er viele wichtige Weichen gestellt, vermittelte beispielsweise zwischen Gegnern und Befürwortern des Baus einer Großmoschee in Ehrenfeld. Soziale Fragen lagen ihm immer am Herzen, bei Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung war er engagiert. Aber er hatte auch seine Schwierigkeiten damit, stets im Kreuzfeuer der medialen Berichterstattung zu stehen. Meine Rolle war die des kritischen Journalisten, seine die des Politikers. Mit verschiedenen Verantwortlichkeiten, unterschiedlichen Blicken auf Vorgänge, ganz anderem Fokus. Darunter litt unsere Kommunikation zuweilen.
Als sein Sohn dann als unbeteiligter Passant bei einem illegalen Straßenrennen getötet wurde, war es mitten in der Nacht. Ich hatte als Reporter für WDR und ARD frühzeitig von dem Unglück erfahren, mit einem Mitarbeiter von Schramma telefoniert. Der bat mich, die Nachricht zunächst noch zurückzuhalten. Denn Fritz Schramma sei noch nicht erreicht worden, mit dem Auto unterwegs, und eine solche emotional niederschmetternde Nachricht sollte er nicht aus dem Autoradio erfahren. Ich hielt mich an die Absprache. In der Folge brauchten Schramma und seine Frau psychotherapeutische Unterstützung. Aus dieser Erfahrung heraus gründeten sie die „Kölner Opferhilfe“, die unzählige Betroffene gemeinnützig unterstützt.
Für dieses jahrelange, unermüdliche Engagement wurde das Ehepaar im Jahr 2024 mit dem „Rheinlandtaler“ des Landschaftsverbands Rheinland ausgezeichnet. Zuletzt hatte Fritz Schramma sich nicht nur Sorgen um seine eigene Gesundheit gemacht, sondern auch um den Zustand der (Stadt-)Gesellschaft. Er wollte sich für mehr „positiven Klüngel“ einsetzen, seine Gedanken in einem Buch zusammenfassen, gemeinsam mit mir. Es ging ihm darum, dass sich auch Politikerinnen und Politiker wieder gegenseitig mehr zuhören, die Bedürfnisse der anderen Seite verstehen und demokratisch um Lösungen ringen. So wie der echte Kölsche Fritz Schramma es eben auch sein Leben lang getan hat. Sein Kampf gegen den Krebs aber band zuletzt zu viele Kräfte, es ist nur noch ein knapp einstündiges Auftaktgespräch entstanden. Die Trauer ist groß. Nicht nur in Köln.