EXKLUSIV „Das ist inakzeptabel!“: Bürgermeister schreibt Brandbrief

Köln | Es ist nicht irgendein Schreiben.

Das ist mehr als eine Protest-Note.

Vincent Morawietz (SPD), Bezirksbürgermeister Köln-Mülheim, hat einen offenen Brief an Oberbürgermeister Torsten Burmester und Dezernent Egerer geschrieben, der koeln0221 vorliegt.

Ein Dokument, das die Irritationen der Menschen in Köln-Höhenhaus wegen des dortigen Brücken-Rückbaus schonungslos offenlegt.

Tief in die Kölner Verwaltung blicken lässt und für sich spricht. . .

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, lieber Torsten, sehr geehrter Herr Beigeordneter Egerer,

ich habe die Pressemitteilung der Stadt Köln vom 12.05.2026 zum Rückbau der Brücke „Am Flachsrosterweg“ in Köln-Höhenhaus zur Kenntnis genommen – ebenso die dort enthaltene Anmerkung, dass nun bis 2032 keine Behelfsbrücke errichtet wird.

Das Ausbleiben einer Behelfsbrücke wird allein damit begründet, dass nunmehr keine Form der Behelfsbrücke technisch während der Sperrpause möglich sei. Damit teilt die Stadt Köln mit, den einstimmigen Beschluss der Bezirksvertretung Köln-Mülheim vom 27.04.2026 nicht umzusetzen.

Mir fehlt hierbei die Vorstellungskraft, wie dieser gesamte Prozess den Anwohnerinnen und Anwohnern vor Ort zufriedenstellend erklärt werden soll:

Seit fast zwei Jahren ist der Zeitraum der möglichen Arbeiten bekannt. Seit Mitte 2025 werden die Arbeiten in diesem Jahr geplant. Und seit Januar diesen Jahres waren die Brückenvarianten, die während der Sperrpause gebaut werden könnten, bekannt. Dennoch sind wir nun offenbar an einem Punkt angelangt, an dem eine Behelfsbrücke während der Sperrpause nicht gebaut werden kann.

Ich bezweifle, dass dies an einer zu langen Entscheidungsfindung der Bezirksvertretung Köln-Mülheim liegt – denn diese hat innerhalb von acht Tagen nach Unterrichtung über den Vorgang sich für eine seitens des Gutachtens und seitens des Verkehrsdezernats aufgezeigte Variante entschieden.

Wenn bereits der Zeitpunkt, an dem die Bezirksvertretung erstmals Kenntnis hiervon erhalten hat, zu spät gewesen sein sollte, um eine Brücke auch für den MIV zu realisieren, stellt sich die ernsthafte Frage, warum die Bezirksvertretung erst so spät informiert worden ist?

Wieso wurden durch diese zu späte Einbeziehung der Bezirksvertretung unnötigerweise Fakten geschaffen?

Am Ende des Tages ist der Vorgang gegenüber der Bezirksvertretung aber das eine – das Vorgehen gegenüber den Anwohnerinnen und Anwohnern der Siedlung Schönrath, Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt, ist das andere.

Die Anwohnerinnen und Anwohner sind in großer Angst, durch den Wegfall dieser Strecke schlechter an die Stadt angebunden zu sein. In einer Petition haben bereits 1.800 Menschen sich für den Erhalt des Autoverkehrs über die Brücke Am Flachsrosterweg ausgesprochen. Diese wird nun ignoriert.

Die offenen Briefe der Anwohnerinitiative sind bis dato nicht beantwortet worden. Auf ihre Weiterleitung von Brückenangeboten – wie etwa Janson Bridging, die laut der Anwohnerinitiative die Errichtung einer Auto-Behelfsbrücke in 7 bis 10 Tagen in Aussicht gestellt haben sollen – gab es keine Rückmeldungen. Das Vertrauen in die Funktionalität der Stadtverwaltung dürfte das nicht stärken.

Bereits seit Tagen erreichen uns Rückmeldungen von Verkehrsschwierigkeiten vor Ort infolge der Brückensperrung. Wie man hier ernsthaft der Lage Herr werden möchte, ist uns völlig unklar. Die Vorstellung, dass sich diese Situation über sechs Jahre hinweg ziehen soll, hilft hierbei nicht weiter. Und an das Szenario einer Blockade der nunmehr einzigen Ausfahrt aus der Siedlung über die Berliner Straße in den nächsten sechs Jahren mag niemand denken.

Mir ist die Schwierigkeit der aktuellen Situation, in der sich die Stadt befindet – Investitionsstau, sinkende Einnahmen, steigende Ausgaben – durchaus bewusst.

Und dennoch muss ich deutlich machen, dass ein solches Vorgehen aus meiner Sicht inakzeptabel sowie nicht unbedingt vertrauenssteigernd ist.

Ich erwarte, dass seitens der zuständigen Fachverwaltung weiter an einer Umsetzung des Beschlusses der Bezirksvertretung Köln-Mülheim gearbeitet wird.

Und ich bitte dringend um eine engere Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in dieser Sache. Die Initiative der Anwohnerinnen und Anwohner hat mehrfach deutlich gemacht, dass sie hier an einer gemeinsamen Lösungsfindung interessiert ist – dafür braucht es dieses Interesse aber auch seitens der Stadt Köln.

Mit freundlichen Grüßen